Gesundheitskarte für Geflüchtete – von der Kommunalpolitik endlich beschlossen

Der Flüchtlingsrat begrüßt die Einführung einer Gesundheitskarte für Geflüchtete im Asylverfahren. Diese wurde in der Januarsitzung des Gesundheits- und Sozialausschusses beschlossen und soll ab dem kommenden Jahr nun auch endlich in Krefeld Realität werden. Der Vorteil: Geflüchtete müssen sich nicht mehr in den ersten 18 Monaten ihres Aufenthaltes bei Erkrankung ihre Krankenscheine beim Sozialamt abholen. Zudem ist dann nicht mehr für den behandelnden Arzt die Asyleigenschaft von vorneherein ersichtlich. Die Stadt Krefeld verspricht sich mehr gesundheitliche Prävention bei den teils schwer trau-matisierten Menschen und langfristig Kosten- und Personaleinsparung, da das Land NRW beim Verwaltungsaufwand Zuschüsse gewährt.

Die Gesundheitskarte für Geflüchtete ist in mehreren Bundesländern schon seit langem Standard, seit 2015 kann sie auch in NRW eingeführt werden. In unserem Bundesland ist dafür jedoch ein Beschluss in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde erforderlich. Dieser ist nun endlich erfolgt.
Pressemitteilung des Flüchtlingsrates – Download
Stadt Krefeld mit Begründung: Gesundheitskarte für Geflüchtete – Download

Verharmlosende Worte – Gut so: „Pushback“ ist Unwort des Jahres 2021

„Pushback“ umschreibt das Zurückdrängen Geflüchteter an den Außengrenzen der Europäischen Union. Eine unabhängige Jury, die das Unwort des Jahres schon seit 1991 vergibt, hat es 2021 auf Platz 1 gesetzt. Es kennzeichnet nach Ansicht der Sprachwissenschaftler/innen verharmlosend und völlig unangemessen den seit Jahren praktizierten systematischen Rechtsbruch an den EU-Außengrenzen mit Tausenden von Toten. Mit der schweigenden Zustimmung aller EU-Organisationen wird seit Monaten an der belarussisch/polnischen und der bosnisch/kroatischen Grenze sowie schon seit Jahren im Mittelmeer das europäische Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention in der „Wertegemeinschaft EU“ systematisch ausgehöhlt und mit Füßen getreten. Durch nicht nur an diesen Außengrenzen praktizierte gewaltsame Zurückweisungen („Pushbacks“) in Zusammenarbeit mit diktatorischen Regimen verliert die EU jegliche Glaubwürdigkeit und jeglichen Humanitätsanspruch.

Es bleibt abzuwarten, ob es der neuen Bundesregierung endlich gelingt, „ein Bündnis der Willigen“ in der EU zu aktivieren, das zusammen mit den vielen aufnahmebereiten Städten in Europa (darunter auch Krefeld) dem Flüchtlingselend und -sterben an den EU-Außengrenzen ein Ende setzt. Diese gewaltsamen Zurückschiebungen von in extremer Not geratenen Menschen – nicht selten mit Todesfolge – müssen sofort ein Ende haben!

Ampel-Koalitionsvertrag: Mehr Licht als Schatten

Dürfen bald aufnahmewillige Städte und Gemeinden wie Krefeld jetzt endlich
Geflüchtete in Eigenregie aufnehmen?
Sollten die Ankündigungen der neuen Regierungsparteien im Koalitionsvertrag im
Bereich Flucht und Migration in den nächsten Jahren eins zu eins umgesetzt werden,
wäre dies ein Fortschritt und Ermutigung für in Deutschland Schutz suchende sowie
alle in der Geflüchtetenhilfe engagierten Menschen. Darin sind sich Menschenrechts-
organisationen wie pro asyl und amnesty, aber auch die Wohlfahrtsverbände einig.

Aufhebung der schikanösen Restriktionen bei der Familienzusammenführung,
Integrationskurse von Anfang an, Aufhebung der Kettenduldungen und Verbesserungen
bei der schnellen Integration in Arbeit sind Mut machende Ankündigungen.
Aber wie immer gilt: Ankündigungen sind das eine. Wir warten ab sofort gespannt auf
neue Verordnungen und Gesetze und deren Umsetzung vor Ort mit Erleichterungen für
Geflüchtete beim Zugang zu Asyl, Integration und Arbeit.
Lesenswerte Stellungnahmen zum Koalitionsvertrag (link s. u.))

Neues

Wir stehen wieder konkret für Beratungen zur Verfügung!!
Siehe hierzu auf der Startseite „Beratung für Geflohene“ und „Über uns„/Beratung für Geflohene.
Beachten Sie bitte: Es gilt dabei die 3G-Corona-Regel!!


Ausbildungsstellen und Jobangebote:
hier gibt es jetzt einen eigenen „Menü-Punkt“.


Für das Freitagsangebot (15.00 bis 17.00 Uhr) gelten die 3G-Coronaregeln, also Genesen, Geimpft oder offizieller Schnelltest, auf jeden Fall auch mit Maske!